Wie können vielversprechende KI-Innovationen erfolgreich aus der Forschung in die klinische Praxis überführt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines gemeinsamen Workshops des Niedersächsischen Zentrums für KI und Kausale Methoden in der Medizin (CAIMed) und des Institute for Biomedical Translation (IBT) am Forschungszentrum L3S in Hannover, an dem auch Expertinnen und Experten von TRAIN – Translational Alliance in Lower Saxony teilnahmen.
Der Workshop brachte Forschende, Translationsexpertinnen und -experten sowie Innovationspartner zusammen, um zu erörtern, wie innovative Ansätze der medizinischen KI-Forschung systematisch in Richtung praktischer Anwendungen im Gesundheitswesen weiterentwickelt werden können. Nach den Begrüßungsworten von Prof. Dr. Wolfgang Nejdl, Prof. Dr. Michael Marschollek und Dr. Johannes Winter stellten die IBT-Vertreter Prof. Dr. Thomas Sommer und Dr. Heike Gielen das Unterstützungsangebot des IBT für die Translation vor. Dazu gehörten die Förderprogramme PRE-SEED und EXPLORE sowie praxisorientierte Instrumente wie Target Product Profiles, Strategien zum Schutz geistigen Eigentums (IP) und zur Sicherstellung der Handlungsfreiheit (Freedom to Operate, FTO) sowie eine meilensteinbasierte Projektplanung. Sara Haag stellte die Angebote von TRAIN vor und hob insbesondere die TRAIN Omics Days und die TRAIN Academy als Plattformen für interdisziplinären Austausch, Weiterbildung und Zusammenarbeit innerhalb der niedersächsischen Life-Science-Community hervor.
Ein Schwerpunkt des Nachmittags lag auf der Vorstellung aktueller CAIMed-Forschungsprojekte mit hohem Translationspotenzial. Dr. Maximilian Schieck (MHH) präsentierte KI-gestützte Ansätze zur Identifizierung von Immun-Targets bei Long COVID, während Prof. Dr. Thomas Jack (MHH) den Einsatz von KI zur frühzeitigen Vorhersage einer Sepsis vorstellte. Dr. Zahra Ahmadi (MHH) zeigte Ansätze für menschenzentrierte KI in der Krebsdiagnostik und -therapie. Martin Zielke (UMG) demonstrierte, wie KI und Biomarker die digitale Pathologie voranbringen können. Dr. Sahamoddin Khailaie und Prof. Dr. Andriy Goychuk (HZI) stellten mathematische Modelle zur Unterstützung der Diagnostik von Long COVID und ME/CFS sowie KI-gestützte Ansätze zum Verständnis komplexer biologischer Systeme vor. Jedes Projekt wurde gemeinsam mit Translationsexpertinnen und -experten diskutiert, um mögliche Validierungswege, die klinische Relevanz und Perspektiven für eine zukünftige Implementierung zu identifizieren.
Zum Abschluss des Workshops wurden Kooperationsmöglichkeiten und konkrete nächste Schritte diskutiert, um den Transfer von CAIMed-Innovationen in die klinische Praxis zu beschleunigen. Eine zentrale Botschaft des IBT zog sich durch die gesamte Veranstaltung: Erfolgreiche Translation beginnt frühzeitig. Für Forschende, Gründerinnen und Gründer sowie akademische Start-ups ist es entscheidend, klinische Bedarfe, geistiges Eigentum, regulatorische Anforderungen und Marktpotenziale von Beginn an zu berücksichtigen, um exzellente Forschung in wirkungsvolle Lösungen für die Gesundheitsversorgung zu überführen. Mit Initiativen wie PRE-SEED und EXPLORE bietet das IBT gezielte Unterstützung, um akademischen Innovationen den Weg von der Forschung in den Markt zu erleichtern. Der Workshop unterstrich das Engagement von CAIMed, herausragende KI-Forschung mit translationaler Expertise zu verbinden, damit wissenschaftliche Erkenntnisse letztlich Patientinnen und Patienten sowie dem Gesundheitssystem zugutekommen.